Einführung der Umsatzsteuer in China mit Konsequenzen für europäische Unternehmen


(Zu diesem Artikel finden Sie ein Update mit aktualisierten Informationen hier).

Im Rahmen der Umsetzung des Pilotprogramms zur Mehrwertsteuerreform wird zum 1. August 2013 die bisherige Business Tax, die aufgrund der fehlenden Abzugsfähigkeit eine wirkliche Belastung darstellte, im Bereich Logistik durch die Umsatzsteuer (VAT) ersetzt. Bislang sind nur wenige verlässliche Informationen hierüber verfügbar. Die Einführung der Umsatzsteuer in China hat nach dem derzeitigen Informationsstand erhebliche Auswirkungen auf europäische Importeure, Exporteure und Spediteure, die Geschäftsbeziehungen mit China unterhalten. Dies meldet der DSLV heute in einer Eilmeldung.

 

Die chinesische Umsatzsteuer ist in Deutschland als Vorsteuer nicht abziehbar, und belastet insofern die Einkaufspreise von Waren und Dienstleistungen in erheblichem Ausmaß. Durch die geschickte Vereinbarung von passenden Lieferbedingungen (Incoterms) und Frachtraten (freight collect bzw. prepaid), lassen sich die Fälle in denen die chinesische Umsatzsteuer an europäische Unternehmen weiterbelastet wird auf ein Minimum reduzieren.

 

Da momentan nur wenige verlässliche Informationen bekannt sind, und auch die Auswirkungen der Reform auf ausländische Märkte für die chinesische Regierung überraschend kommt, ist die nachfolgende Aufstellung unverbindlich und kann sich jederzeit ändern.

 

Ab dem 1. August 2013 unterliegen Land-, Luft- und Seeverkehre sowie lokale Logistikdienstleistungen in China einer Umsatzsteuer in Höhe von 6 Prozent. Steuerbar sind Leistungen für bzw. von in China ansässigen Unternehmen. Nicht steuerbar sind Leistungen von Firmen außerhalb Chinas an chinesische Unternehmen, wenn die Leistungen komplett außerhalb Chinas erbracht werden.

Europäische Exporteure

werden mit 6% chinesischer Umsatzsteuer auf die Frachtkosten belastet, wenn die vereinbarten Incoterms (z.B. DDP oder CFR) die Zahlung aller lokalen Gebühren (wie z.B. THC) beinhalten.

Europäische Importeure

werden mit 6% chinesischer Umsatzsteuer auf die Frachtkosten belastet, wenn die vereinbarten Incoterms (z.B. EXW oder FCA) die Frachtkosten und alle lokalen Gebühren (wie z.B. THC) beinhalten.

Wird die Fracht in China vom chinesischen Importeur bzw. Exporteur bezahlt (z.B. Incoterm CIF), so kann dieser die 6% Umsatzsteuer als Vorsteuer geltend machen.

Spediteure

sollten ihre Kunden (Importeure und Exporteure) auf diese neue Regelung und die Gefahr hinweisen, dass bei Wahl bestimmter Incoterms zukünftig 6% chinesische Umsatzsteuer auf die Frachtkosten berechnet wird, die von den Spediteuren an die Importeure/Exporteure weiterbelastet wird.

Auf jeden Fall wird ein chinesischer Partner die „profit share“/handling fee mit der Umsatzsteuer belasten.

Besonderheiten in der Seefracht

Bei Vertragsabschluss und Zahlung der Frachtkosten in China, sowie der Vereinbarung “freight collect” im Konnossement, werden dem Importeur die 6% Umsatzsteuer auf die Frachtkosten belastet.

Besonderheiten in der Luftfracht

Wenn im AWB “charges collect” vereinbart wurde, wird die Luftfracht dem europäischen Importeur belastet, auch wenn sie in China fällig ist.

 

Bei Transporten von in China ansässigen Unternehmen nach oder von Hong Kong, Macao und Taiwan fällt keine Umsatzsteuer an.

 

Auswirkungen auf den Zollwert

Nach Auffassung von Porath Customs Agents gehört die chinesische Umsatzsteuer mit zum Zollwert. Eine verbindliche Auskunft hierüber kann momentan noch niemand erteilen. Sobald weitere Informationen vorliegen, werden wir an dieser Stelle weiter berichten!