Deutsche Zollverwaltung schafft ATLAS zum 1. Oktober 2014 de facto ab


Das Bundesfinanzministerium hat angekündigt, die Anwendung von ATLAS, das elektronischen IT-Verfahren für die Zollabwicklung in Deutschland, mit Stichtag 1. Oktober 2014 nur noch im Notfallverfahren zu betreiben. Das Notfallverfahren war ursprünglich nur für die Fälle vorgesehen, in denen die elektronische Kommunikation mit ATLAS durch einen Systemausfall nicht möglich war. Im Notfallverfahren werden alle in ATLAS eingegebenen Daten nicht mehr elektronisch an den Zoll übermittelt, sondern auf dem Einheitspapier ausgedruckt. Mit dieser Ankündigung reagiert die Bundesregierung auf die Vorwürfe von Wirtschaftsspionage im Zuge der NSA-Spähaffäre.

Europäische Unternehmen geben in den Zollanmeldungen vertrauliche Daten Preis – von Lieferanten über detaillierte Produktbeschreibungen und Einkaufspreise, bis hin zu Frachtraten ist dort alles in elektronischer Form verfügbar. Obwohl es sich bei ATLAS um ein geschlossenes System ohne Zugriffsmöglichkeit von außen handelt, kann nicht ausgeschlossen werden, dass diese sensiblen Daten von der NSA oder anderen Geheimdiensten mitgelesen werden.

Da das Notfallverfahren schon seit dem Start von ATLAS im Jahr 2001 ein integraler Bestandteil von ATLAS ist, sieht die Zollverwaltung keinen Anlass für eine erweiterte Übergangsregelung.

Im Notfallverfahren werden die Daten für die Zollanmeldung zwar elektronisch erfasst, dann aber in Form des Einheitspapiers ausgedruckt und mit den Unterlagen bei der abfertigenden Zollstelle eingereicht. Da keine elektronische Übermittlung mehr zwischen der Zollverwaltung und den Zollbeteiligten mehr möglich sein wird, müssen die Daten im Rahmen der Zollabfertigung manuell erfasst werden. Steuerbescheide werden ebenfalls wieder in Papierform erteilt.

Auf die Frage, wie das Hauptzollamt Hamburg-Hafen als größtes und wichtigstes Hauptzollamt in Deutschland die jährlich mehr als 20 Millionen Zollanmeldungen beim Zollamt Waltershof mit der gleichen Personaldecke abarbeiten will, hatte Michael Schrader, Leiter des Hauptzollamts Hamburg-Hafen, gleich die passende Antwort parat: „Es kann sich hierbei nur um einen Aprilscherz handeln“.

Hamburg, 1. April 2014

Nachtrag 1. April 17:30: Wir freuen uns, dass trotz der Auflösung am Ende der Meldung so viele auf unseren Aprilscherz hereingefallen sind. Selbstverständlich werden alle Beteiligten mit ATLAS auch nach dem 1. Oktober 2014 weiter wie gewohnt mit den deutschen Zollbehörden kommunizieren können.